Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Was soll geschehen, wenn ich einmal nicht mehr für mich selbst eintreten kann? Wer soll dann für mich sprechen? Und nach welchen Grundsätzen möchte ich dann behandelt werden?

Auf solche Fragen kann man versuchen, mit Hilfe einer Patientenverfügung, einer (Vorsorge-)Vollmacht oder einer Betreuungsverfügung Antworten zu geben.

Dabei benennt man in der Vollmacht i.d.R. einen Menschen, der einen in rechtlichen Dingen vertreten soll und legt fest, in welchen Bereichen er das darf (also z.B. Finanzen, gesundheitliche Dinge, vor Gericht, etc.) So wird z.B. vermieden, dass ein Gericht eine Betreuerin oder einen Betreuer einsetzen muss, weil z.B. eine Unterschrift für eine Operation oderfür einen Heimvertrag zu leisten wäre und die Person selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.

Eine Betreuungsverfügung ist für ebendiese Situation gedacht. Sie gibt dem Gericht einen Handlungsrahmen, indem sie z.B. mögliche Betreuer benennt oder ausschließt oder festlegt, nach welchen Grundsätzen sich eine Betreuerin zu richten hätte.

Eine Patientenverfügung schließlich sagt inhaltlich, was jemand in einer bestimmten Situation an Behandlungen haben möchte oder was nicht.

Nach unseren Erfahrungen ist es sehr sinnvoll, zu regeln, wer gegebenenfalls für Sie  sprechen soll, wenn Sie einen Menschen Ihres  Vertrauens haben (auch ein Ehepartner oder Kind ist ohne Ihr Vollmacht nicht automatisch dazu berechtigt, und ob er vom Gericht als Betreuer eingesetzt würde, ist zumindest nicht sicher). Dazu sind die Formulare des Bundesjustizministeriums gut geeignet.

Die Frage einer Patientenverfügung ist aus unserer Sicht eine viel schwierigere. Sie setzt voraus, sich intensiv mit verschiedenen Möglichkeiten von Krankheit auseinanderzusetzen - und es ist natürlich auch nicht leicht, sich vorzustellen, wie ich dann empfinden würde und was dann wirklich mein Wille sein könnte. Auf jeden Fall ist eine Patientenverfügung eine sehr individuelle Angelegenheit. Zugleich sollten die Formulierungen so sein, dass wirklich deutlich wird, was ich will, so dass Bevollmächtigte und Ärzte eine gute Grundlage haben, meinem Willen folgen zu können.

Um die Formulierungsarbeit zu erleichtern, gibt es im Internet und darüber hinaus viele Formulare. Bei ihrer Verwendung sind mindestens drei Fragen zu beachten:

  • Verstehe ich, was da steht?
  • Ist es eindeutig und in sich stimmig?
  • Und passt es wirklich zu dem, was mir wichtig ist, was ich will? (Denn jedes Formular ist auch Ausdruck einer Philosophie, indem es z.B. bestimmte Gebiete erwähnt oder nicht erwähnt oder weitere bzw. engere Formulierungen wählt.)

Im Lukas-Krankenhaus haben wir ein Formular entwickelt, dass zu unserer Philosophie passt, nämlich die Patientenverfügung als ein Dokument zu sehen, was dem Gespräch zwischen Arzt und Betreuer/Bevollmächtigten eine klare Richtung gibt, ohne alle Dinge bis in die letzten Einzelheiten festzulegen.

Formulare zur Erstellung einer Patientenverfügung

  • Für die Situation, jetzt eine vollständige Behandlung zu wünschen, und sie nur für eine eventuelle Zukunft einschränken zu wollen (als pdf- und als odt-Datei).
  • Für die Situation, schon jetzt (wegen des Alters oder einer Erkrankung) nur noch eine eingeschränkte Behandlung zu wünschen (als pdf- und als odt-Datei).

Beispiele für inidividuell erstellte Patientenverfügungen finden sich auch unter krankenhauspfarrer.net/pv.

Falls Sie Beratung wünschen, wenden Sie sich an Krankenhauspfarrer Hanno Paul, (Telefon 05223-167-249, E-Mail: h.paul@lukas-krankenhaus.de).